Der ursprüngliche Farbton wird noch ermittelt
Die Arbeiten am Musikpavillon im Stadtgraben biegen demnächst auf die Zielgerade ein.
Jahrelang schlummerte der Musikpavillon im Stadtgraben im Dornröschenschlaf. Abbruchpläne gab es auch schon. Doch die sind längst vom Tisch. Als Maßnahme der Landesgartenschau wird der Bau aus den 1950er-Jahren saniert und als Veranstaltungsort hergerichtet.
Derzeit läuft die Betonsanierung auf Hochtouren. Die Betonstützen, die ins Erdreich ragen und das Dach tragen werden auf Korrosion überprüft, gegebenenfalls entrostet und neu imprägniert. Dazu muss von der Treppe allerdings das Podest entfernt werden. „Kein Problem, das ist nur aufgelegt“, sagt Christof Birkel von der städtischen Abteilung Hochbau. Insgesamt laufe die Gesamtmaßnahme sehr gut und liegt im Zeitplan, so sein Resümee bei einem kurzen Ortstermin. Parallel geht es auch mit den Putzarbeiten an den Wänden und der Decke voran. Die ursprüngliche Farbgebung des markanten Gebäudes wurde freigelegt. Auf dieser Basis werden Farbmuster vorbereitet und zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege wird dann das neue Farbkonzept beschlossen. Auch der bisher abgestufte Bodenbelag soll auf eine Höhe angeglichen und die Umrandung der „Bühne“ so gestaltet werden, dass nach vorne noch mobile Bühnenelemente angesetzt werden können, um den Platz für die Musiker zu vergrößern. Abschließend ist die Ausstattung des Pavillons mit Beleuchtungs- und Medientechnik geplant.
Der Musikpavillon wurde in den Jahren 1953/1954 erbaut. Mittlerweile steht er unter Denkmalschutz. Das dürfte ihm auch die Existenz gerettet haben, denn eigentlich sollte der Bau, der zuletzt kein wirklich schöner Anblick mehr war, zunächst abgebrochen werden. Doch dann hat sich der Rottweiler Gemeinderat für eine Sanierung entschieden. Und nach Erweiterung des Sanierungsgebiets Stadtmitte kommt der Musikpavillon auch in den Genuss einer Förderung.
Bereits 2024 wurde das charakteristische, muschelförmige Dach saniert. Ende 2024 wurde die Dachdeckung aus Bitumen abgetragen und fachgerecht entsorgt. Anschließend wurde ein Schadensbild des Betondachs erstellt. Erfreulicherweise war der Beton in einem guten Zustand. Bei der Abdichtung des Daches hat die Stadt einen besonderen Weg eingeschlagen, denn aufgrund des gewölbten Daches mit Überzügen hätten Fachleute von einer erneuten Bitumenabdichtung abgeraten. Und so haben sich die Fachleute in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege (LAD) für Flüssigkunststoff als neue Dachhaut entschieden.
Um den Musikpavillon künftig zeitgemäß nutzen zu können, ist ein Nebengebäude geplant, das in Modulbauweise erstellt wird. Die Leitungen und Kabel sind bereits entsprechend verlegt, und auch die Fundamente für den Nebenbau gibt es bereits. Ein WC für Menschen mit Behinderung, ein WC für Damen und eines für Herren soll es geben. Die Toiletten könnten dann bei Veranstaltungen genutzt werden, eine davon soll immer geöffnet sein, so die Planung. Der Kiosk mit Wasser- und Stromanschluss ermöglicht bei künftigen Veranstaltungen die Bewirtung. „Der Kiosk wird aber nicht dauerhaft betrieben“, sagt Birkel.
Die Baukosten für den Musikpavillon lagen im Jahr 1953 bei rund 26 000 Mark – in der Nachkriegszeit durchaus eine beachtliche Summe, die in etwa dem Kaufpreis von fünf VW-Käfern entsprach. Einen Architekten gab es damals offenbar nicht, sondern die Planung stammt wohl von einem der damals bei der Stadt angestellten Architekten oder Bausachverständigen, hat die Recherche in alten Unterlagen ergeben. Für die Sanierung des Pavillons und für den Bau der Nebengebäude sind im städtischen Haushalt 800 000 Euro angesetzt. Die Stadt erwartet einen Zuschuss über Sanierungsmittel in Höhe von 51 Prozent der Baukosten. Das Gebäude soll aber nicht nur während der Landesgartenschau für Veranstaltungen genutzt werden, sondern auch darüber hinaus als Veranstaltungsort dienen.
Der Platz vor dem Pavillon ist eben und mit einem wassergebundenen Belag versehen. Hier besteht die Möglichkeit, zu bestuhlen. Die Flächen rund um den Pavillon sind bereits fertiggestellt, bleiben aus finanzierungstechnischen Gründen bis zu Landesgartenschau aber abgesperrt.
Dach mit Stahlstützen mit Christof Birkel: Christof Birkel erklärt, dass für die Sanierung der stählernen Stützenfüße, die die Dachkonstruktion tragen, erst das Treppenpodest entfernt werden muss.
Stahlstützen Dach: Für die Sanierung der stählernen Stützenfüße, die die Dachkonstruktion tragen, muss erst das Treppenpodest entfernt werden.
Fotos: Stadt Rottweil/Tobias Hermann